Geschichte der AWO im Raum Gettorf

Jedes soziale Netz hat Lücken

oder

Die Geschichte der (Wiederbe-)Gründung eines Wohlfahrtsverbandes im Dänischen Wohld

Es gibt nur wenige, bekannte Schriftstücke, die belegen: Auch vor der (Wiederbe-)gründung der Arbeiterwohlfahrt im Raum Gettorf gab es bereits nach dem Zweiten Weltkrieg einen AWO-Ortsverband, zumindet aber AWO-Aktivitäten für Bürger in Gettorf und seiner Umgebung. Besser belegt sind dann jedoch die ersten Schritte vor und nach der Gründung des heutigen AWO-Ortsverbandes Gettorf und Umgebung e.V. im Jahre 1977. Doch fangen wir mit dem eigentlichen Beginn an.

Die Situation vor dem 2. Weltkrieg

Im Jahre 1919 wird in Berlin von Sozialdemokraten die Arbeiterwohlfahrt reichsweit gegründet. Die Not nach dem Ersten Weltkrieg ist groß, diejenigen, die dem Kaiserreich bis dahin sehr distanziert gegenübergestanden hatten, sind jetzt in der Weimarer Republik an vielen Stellen in der politischen Verantwortung. Neben dieser politischen Verantwortung gewinnt man sehr schnell die Einsicht, daß für das tägliche Wohlbefinden der Menschen konkret etwas getan werden muß. Dieser täglichen Not, die während der Inflation der Jahre bis 1923 und der 1929 beginnenden Weltwirtschaftskrise bis dahin unbekannte Ausmaße erreicht, stellen sich die aktiven Frauen und Männer der Arbeiterwohlfahrt.

Im Jahre 1933 wird die Arbeiterwohlfahrt als eine von vielen Organisationen der Arbeiterbewegung nicht gleichgeschaltet, sondern verboten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kann die Organisation wiederbegründet werden.

Die Nachkriegzeit

Für den Bereich Gettorfs und seiner Umgebung sind aus den Anfangsjahren des Wohlfahrtsverbandes Arbeiterwohlfahrt nur einzelne Aktivitäten und Einzelpersonen mit nur wenigen Schriftstücken bekannt bzw. nachweisbar. Und dieses gilt auch nur für den Zeitraum nach dem Zweiten Weltkrieg. Aus diesen Schriftstücken ist ersichtlich, daß es immer wieder Einzelfallhilfen waren, für die sich die örtlich Aktiven der AWO eingesetzt haben.

Für den Zeitraum ab Ende der 50er-Jahre sind keine Aktivitäten und keine handelnden Personen bekannt.

Gründung der Arbeiterwohlfahrt in Gettorf

Es sind dann junge Familien, die im Jahre 1976 sehen, daß für eine Reihe von Kindern die Zeiten zwischen den Schuljahren (Sommerferien) ohne jede Abwechselung, ohne jedes Freizeitangebot, verläuft. Angeregt durch Richtlinien des damaligen Jugendwohlfahrts-ausschusses des Kreises Rendsburg-Eckernförde wird von dieser Initiativgruppe beschlossen, erstmals in den Sommerferien 1976 eine „Aktion Ferienspaß“ für daheim gebliebene Kinder zu starten. Schwer hatte es diese Gruppe, eine der vorhandenen örtlichen Organisationen für diese Idee zu begeistern. Da vor Ort niemand bereit war, hier Unterstützung zu geben, sah man sich überörtlich um und stieß auf den AWO-Kreisverband Rendsburg-Eckernförde, der zusammen mit dem Landesverband und seinen Mitarbeitern bereit war, die notwendigen Hilfen zur Verfügung zu stellen. Die Kreisvorsitzende Brunhild Wendel, Schacht-Audorf, und der Mitarbeiter des AWO-Landesverbandes, Reinhold Kock, müssen hier sehr lobend erwähnt werden.

Und weil es sich sehr schnell zeigte, daß hier eine Lücke in der Jugendarbeit zu schließen war, kam es am 28.Dezember 1976 in „Jöhnks Gasthof“, den älteren Gettorfern besser unter „Haus der Arbeit“ in der Süderstraße bekannt, zu einer ersten Zusammenkunft, die mit dem Beschluß zur Gründung einer örtlichen Arbeiterwohlfahrt für den Bereich der Gemeinde Gettorf und den der Gemeinden des Amtes Dänischer Wohld endete. Die tatsächliche Gründung fand dann am 6.September 1977 im Gasthof „Zur Linde“ in Neuwittenbek statt.

Zur ersten Vorsitzenden wurde Marga Osiander aus Gettorf gewählt, die aus beruflichen Gründen dieses Amt nur bis 1979 ausübte, dem Vorstand dann aber noch für einige Jahre bis zu ihrem Fortzug aus Gettorf als Kassiererin und Beisitzerin angehörte. Nachfolgerin wurde dann Elisabeth Stark aus Gettorf, die das Amt der Vorsitzenden bis zum 17.5.1983 ausübte. In der Jahreshauptversammlung 1983 wurde dann Wulf-Dieter Stark-Wulf erstmals zum Vorsitzenden gewählt und in den folgenden Jahren jeweils wiedergewählt.

Der AWO-Ortsverband Gettorf und Umgebung ist 1977 mit 12 Mitgliedern gestartet; im Jahre 1980 konnte die damalige Vorsitzende Elisabeth Stark das 100. Mitglied begrüßen. Mit der Elterninitiative Holtsee, die einen eigenen Kindergarten in ihrer Gemeinde betreibt, konnte nicht nur das 200. Mitglied begrüßt werden, sondern ein freundschaftlich verbundener Verein, der der AWO als korporatives Mitglied angehört. Heute gehören der AWO knapp 250 Mitglieder an.

Schon bei den Überlegungen zur Gründung der örtlichen AWO spielten Kinder und Jugendliche, für die etwas getan werden sollte, aber auch Überlegungen zur Entlastung von Müttern und Vätern, eine ganz gewichtige Rolle. Dieser Schwerpunkt hat sich bis zum heutigen Tag nicht geändert. Daneben hat man sich sozialen Aufgaben angenommen, die keine andere örtliche Sozialorganisation anfassen mochte.

Neben der „Aktion Ferienspaß“, die noch heute in den Sommerferien angeboten wird, waren es Fahrten mit Fahrrad, Pferdekutsche, Bus oder Bahn, die immer wieder Kinder und Jugendliche zu einer aktiven Freizeitgestaltung animiert hat. Erste Erfahrungen mit Kleinkindern und der Übernahme von Verantwortung sammelten die Babysitter, die der Ortsverband seit 1980 selbst ausbildet und vermittelt.

Etablierung im Dänischen Wohld

Zu Beginn der 80er-Jahre wurde den Verantwortlichen der örtlichen AWO klar, daß zwar viele Aufgaben ehrenamtlich erledigt werden konnten, aber eben auch nicht alle. Und so wurde bereits im Jahre 1983 der erste hauptamtliche Mitarbeiter, ein Sozialpädagoge auf ABM-Basis für die Offene Jugendarbeit in den Gemeinden des Amtes Dänischer Wohld, eingestellt. Heute arbeiten rund 20 Personen direkt hauptamtlich bei der AWO; zwischen 30 und 40 Personen sind bei der gemeinnützigen Gesellschaft „Arbeit und Umwelt“ beschäftigt, bei der die AWO Mehrheitsgesellschafter ist, und die aus einer AWO-Beschäftigungs-maßnahme für ältere Langzeitarbeitslose hervorgegangen ist (seit 1990). Diese Gesellschaft wurde im Februar 2000 gegründet. Mitgesellschafter sind die Gemeinden des Amtes Dänischer Wohld, das Amt Wittensee, die Gemeinden Gettorf und Altenholz, die Kirchengemeinden Gettorf und Osdorf und eine Reihe von Unternehmern, überwiegend aus dem landwirtschaftlichen Bereich kommend. Ehrenamtlich engagieren sich übers Jahr ca. 50 - 75 Personen in unterschiedlichem Umfang beim AWO-Ortsverband.

Die heutigen Aktivitäten der AWO reichen von A bis Z – von Arbeitsbeschaffungs- maßnahmen für Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfänger, Alleinerziehendengruppe, Babysittervermittlung, Betreute Grundschulen in den Gemeinden Neudorf-Bornstein, Felm und Holtsee, Erziehungs- und Familienberatung, Essen auf Rädern, Faschingsfeiern, Ferienfreizeiten, Haus- und Familienpflege, Individuelle Schwerbehindertenhilfe für Kinder und Erwachsene, Jugendgruppen, Jugendzentrum Gettorf, Kindergarten Neudorf, Kuren für Mütter, Kinder und Senioren, Kinderfasching, Kleidertauschbörsen, Mobiler Sozialer Hilfsdienst, Mutter-Kind-Gruppen in Gettorf, Osdorf und Neudorf-Bornstein, Nothilfen, Offene Jugendarbeit in Gettorf, Felm, Neudorf-Bornstein und Schinkel, Ratgeber in allen sozialen Fragen, Schularbeitenhilfe, Seniorennachmittage, Soziales Beratungs- und Dienstleistungszentrum (SBDZ), Spielmobil, Tagesgruppe für Kinder mit Verhaltensschwierigkeiten, Wohnanlage mit Betreuung für Senioren, Zivildienstleistende.

Entwickelt und geleistet worden ist diese Arbeit zunächst unter räumlich engsten Bedingungen. Im August 1979 wurden der AWO seitens der Gemeinde Gettorf 3 bescheidene Kellerräume im sogenannten Rentnerwohnheim in der Kirchstraße zur Verfügung gestellt. Diese Räume wurden in Eigenleistung soweit hergerichtet, daß dort die Schularbeitenhilfe eingerichtet werden konnte, für Senioren Begegnungen organisiert werden konnten.

Die Geschäftstelle der AWO befindet sich heute in der Kieler Chaussee 24 (Tel. 8602). Im Jahre 1990 konnte dieses ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäude erworben und in den Folgejahren (mit großem ehrenamtlichen Einsatz) um- und ausgebaut werden. Seit der Einweihung im Frühjahr 1994 hat sich dieses Haus zur Anlauf- und Hilfestelle, zum Treffpunkt für viele Bürger aller Altersgruppen aus Gettorf und den umliegenden Gemeinden entwickelt.

Verfasser: Wulf-Dieter Stark-Wulf

Diese Kurzdarstellung ist erstmals verfaßt worden für das Buch „ Gettorf – Aus der Geschichte eines Dorfes“, herausgegeben anläßlich der 125 – Jahr – Feier zur politischen Selbständigkeit der Gemeinde. Der Basistext ist danach mehrfach überarbeitet/erweitert worden.